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Ein kurzer Abstecher in tropische Gefilde:

Atlasspinner
(Attacus atlas)

Dank einem der Webmaster der Webseite www.terra-typica.ch bin ich Ende November 2002 zu drei kleinen Räupchen des grössten Schmetterlings der Welt gekommen: Der Atlasspinner erreicht eine Spannweite von bis zu 30 cm! 

***    Herzlichen Dank deshalb an Thomas Maag!   ***  

Der Atlasspinner  gehört zur Familie der Seidenspinner. Die Seide seiner Kokons besteht jedoch nicht aus einem durchgehenden Faden, sondern ist unterbrochen. Sie wird in Indien zu einer Seide minderer Qualität gewoben: 
Fagara-Seide. 
Es ist das erste mal, dass ich versucht habe, eine tropische Art aufzuziehen.


Schon junge Atlas-Raupen, hier sind sie gegen 3 cm gross, haben bereits einen grossen Appetit...

Die Raupen ernährten sich bei mir von breitblättrigem Liguster (Ligustrum ovalifolium), einer ausländischen immergrünen Heckenpflanze. In ihrer Heimat in Südostasien (Malaysia, Indonesien) fressen sie an Guave, Avocado, Zitruspflanzen und Rambutan. Sie brauchen ein sehr warmes und sehr feuchtes Klima zum wachsen, bei mir etwas improvisiert mit einem kleinen Glasterrarium, in das ich mehrmals täglich Wasser gesprüht habe und das ganze mit einer Tischlampe erwärmt.
Die weisse Färbung auf dem Rücken der Raupen entsteht durch ein weisses Puder, dass die Raupen absondern. Auf den Nachschiebern sieht man je einen
rosa Kreis, vielleicht um einen Vogel dazu zu verleiten dahin zu picken und den Kopf der Raupe zu verschonen?

Grosse Atlasspinner-Raupe
Die Raupen wachsen schnell, ihr Appetit wächst exponentiell mit...

 

Grosse Raupe vor der 4. HäutungGrosse Raupe nach der 4. Häutung
Die linke Raupe steht vor der 4. Häutung, die rechte (Foto von Michael) hat es gerade hinter sich gebracht. Die alte Haut liegt noch hinter ihr.

 

 

 

Erwachsene Raupen,
ca. 8-9 cm gross,
ausgestreckt 10 cm

 

 

 

 


Bild von Michael

Raupenportrait, man kann hier auch gut die elefantösen Mittelfüsse erkennen!


grosse, schöne Altasraupe

 

 

 

Schön gewaltig!

 

 

 

Foto von Michael

Vor dem spinnen des Kokons haben die drei Raupen jeweils ihren Darm von überflüssigen Stoffen entleert und danach nichts mehr gefressen. Sie wanderten auf der Suche nach einem geeigneten Platz rastlos ungefähr einen Tag im Terrarium umher. Danach begannen sie unaufhörlich Seidenfäden in einer "liegenden 8-Bewegung" um sich herum zu weben: 


Der Kopf der Raupe ist links

Die frischen Kokons sind zuerst weiss, dunkel aber bald nach und sind schliesslich braun:


In der Natur hätten die Raupen ein grosses Blatt ihrer Futterpflanze zum anspinnen benützt, 
bei mir ein Stück Haushaltpapier

Nun nach langem bangem Warten und täglichem besprühen der Kokons war es am 12. Februar 2003 endlich soweit, der erste Atlasspinner ist geschlüpft:


 

Ich dachte zuerst, es handle sich um ein Männchen wegen der deutlich gefächerten Fühler. Sie bewies mir aber das Gegenteil indem sie in der folgenden Nacht einige Eier an die Käfigwand ablegte (rechtes Bild)... Leider konnte sie ihre Flügel nicht voll entfalten, weshalb ich sie auch nicht in ein Schmetterlingshaus bringen konnte. 
Das sind aber noch nicht alle schlechten Nachrichten: der eine der drei Kokons ist schon im Februar abgestorben und aus dem letzten kam am 21. Februar nochmals ein Weibchen, bzw. versuchte es. Ohne meine Hilfe wäre es nicht aus dem Kokon gekommen... Es konnte denn auch seine Flügel überhaupt nicht entfalten und ist zwei Tage später gestorben. :(((( Das erste Weibchen lebte 10 Tage. 
Ich meine dieser Misserfolg liegt darin, dass ich die tropischen Verhältnisse eines Bergwaldes in Thailand nicht genügend nachbilden konnte, es war wohl zu trocken und vielleicht auch zu wenig warm bei mir.

Fazit: Wer nicht sicher ist, dass er genügend Zeit (und Geld!) investieren kann, 
um tropischen Raupen, Kokons und Faltern eine angemessene Umgebung sicherzustellen, 
sollte die Finger von diesen Arten lassen

Ich habe jedenfalls meine Lektion gelernt und halte mich von nun an wieder an einheimische Falter!

Mein Email-Brieffreund mit der poetischen Ader (siehe auch seinen Eintrag im Gästebuch), Werner Klaiber, hat mir zum Trost folgende Zeilen geschickt, die möchte ich den Lesern dieser Seite nicht vorenthalten:

Schade mit dem Atlas-Spinner;
Du sagst, ein zweites Mal gibt's nimmer.
Der Anlaß, der recht traurig ist
zeigt uns, daß man halt nie vergißt :
Der Schöpfer hat, das ist bewiesen,
jedem sein Plätzlein zugewiesen.
Drum kümm're Dich jetzt voll und ganz
um den schönen Schwalbenschwanz
und andre Euro-Schmetterlinge.
Ich wünsche, daß es Dir gelinge,
viele solche noch zu züchten
und uns dann davon zu berichten.
Dein Homepagetitel sagt ganz klar,
wer der erste Falter war!!

Merci Werner, diesen Aufsteller hatte ich nötig! 

Hier noch der zeitliche Ablauf:

Eintritt bei mir: 30. November 2002, Grösse ca. 1 cm, 
1. Häutung schon hinter sich
2. Häutung 7. Dezember 2002
3. Häutung 12. Dezember (eine am 13.) 2002
4. Häutung 17. Dezember (eine am 19.) 2002
5. Häutung 23. Dezember (eine am 25.) 2002
Kokons angefangen eine am 1., eine am 2., eine am 3. Januar 2003
Schlupf 12. und 21. Februar, je ein Weibchen