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Schwalbenschwanz-Raupe (Schweiz: "Rüebli-Raupe") gefunden,
was nun?
Ich bekomme zahlreiche E-mails von Naturfreunden aus der Schweiz und Deutschland, die alle eine Schwalbenschwanz-Raupe gefunden haben und nun wissen möchten, wie sie aufzuziehen ist. Auf dieser Seite beantworte ich deshalb die häufigsten Fragen, die mir in solchen E-mails gestellt werden. Wer noch weitere Fragen hat, kann mir natürlich immer noch direkt schreiben (b.kuemin@hispeed.ch). Ich bitte aber darum, die Antworten erst auf dieser und den anderen Seiten unter dem Navigationspunkt "Schwalbenschwanz" zu suchen.
1. Zyklus
Schwalbenschwanz-Raupen, die man ab
Mai bis Juni an Karotten-, Fenchel- oder Dillpflanzen im Garten findet,
gehören der 1.
Generation an und schlüpfen im
Juli/August. Deren Nachkommen, die 2. Generation Raupen, findet
man dann entsprechend ab August bis Oktober. Diese verpuppen sich noch im
Herbst, schlüpfen aber erst im folgenden Mai.
Raupenfunde der 1. Generation sind weniger häufig als bei der 2. Generation
(vielleicht weil sich diese über einen längeren Zeitraum erstreckt).
2. Unterkunft
Ich höre immer wieder von Leuten, die ihre
Schwalbenschwanz-Raupe in einem grossen Konfitüre-Glas o.ä. aufziehen und der
Meinung sind, das gehe ja. Ich persönlich halte nichts von dieser Art der
Raupen-Haltung! Man kann einen Goldfisch auch in einem runden Glas halten und
"es geht ja"; dass der Fisch viel lieber in einem geräumigeren
Aquarium leben würde versteht sich aber von selbst. In der Zwischenzeit habe
ich leider auch genügend Emails und Telefonanrufe von Leuten bekommen, bei
denen etwas mit ihren Schwalbenschwänzen schief gelaufen ist aufgrund der
Glashaltung: In einem Glas ist einerseits die Feuchtigkeit zu hoch und das
führt zusammen mit Raupenkot und Grünzeug dazu, dass sich Bakterien und
Krankheiten ausbreiten können. Daneben finden die Raupen an den Glaswänden
keinen Halt und können sich nur ungenügend verpuppen. Zu guter Letzt braucht
ein schlüpfender Falter genügend Platz um seine Flügel zu entfalten und
braucht auch eine senkrechte Fläche/Zweig zum hochklettern, um die Schwerkraft
dafür nutzen zu können...
Deshalb empfehle ich allen,
die auch nur das geringste handwerkliche Geschick besitzen (oder jemanden im
Bekanntenkreis haben, der es hat), einen Raupenkasten zu bauen.
Es ist wirklich keine Hexerei! Ein solcher Kasten ist jedenfalls ideal zur
Aufzucht der Raupe und zur Überwinterung der Puppe. Er lässt Luft und Licht
hinein aber keine Parasiten.
Meine Kästen bestehen aus einem Rahmen aus Holzleisten, ca.
30x30x40 cm gross. Unten ist ein Boden aus Sperrholz. Links und
rechts an der Vorderseite befindet sich je ein Schlitz in der Holzleiste an der
Innenseite. In diese Schlitze kommt eine Plexiglasscheibe zum
oben herausziehen. Genau zugeschnittene Plexiglasscheiben bekommt man in grösseren
Hobby-Baumärkten oder Bilderrahmen-Ateliers. Die restlichen 3 Seiten und die
Decke mit möglichst feinmaschiger Fliegengittergaze (evtl.
feiner Vorhangstoff? Hab ich aber noch nicht ausprobiert...) abdecken und mit
kleinen Nägeln oder Klammern befestigen. Je feiner die Löcher in der Gaze und
je kleiner der Abstand zwischen Plexiglasscheibe und vorderem Deckenbalken,
desto parasitensicherer ist der Kasten. Eine einfache Skizze eines Kastens habe
ich auf der Seite http://www.schwalbenschwanz.ch/Raupenkasten.htm
zusammengeschustert.
Dies gilt v.a. für die 2. Generation: Der Kasten samt Raupe gehört von Anfang an
und den ganzen Winter über ins Freie, z.Bsp. witterungsgeschützt
auf einem Balkon.
Ich betone das so, weil ich leider auch
jedes Jahr wieder Emails oder Anrufe von Leuten, die einen Schwalbenschwanz im
Dezember in der Wohnung haben (siehe auch Schwalbenschwanz
im Dezember) bekomme. Eine Verschwendung, die vermeidbar ist!
Den Kasten unbedingt gegen Sonneneinstrahlung schützen
und am besten mit Zeitungspapier abdecken.
3. Futter
Zur Fütterung möglichst dieselbe Futterpflanze nehmen, worauf die Raupe gefunden wurde. Eine hungrige Raupe stellt aber auch schon mal von Fenchel- auf Karottenzweige um und umgekehrt. Dazu der Raupenkastengrösse angepasste Futterpflanzenzweige in ein kleines Wasserglas (ich verwende leere Gewürzgläser) einstellen und das ganze in den Raupenkasten tun. Darauf achten, dass die verbleibende Öffnung oben am Wasserglas kleiner ist als die Raupe, sonst kann es vorkommen, dass sie ertrinkt... Evtl. die Öffnung mit etwas zusammengeballter Klarsichtfolie o.ä. verstopfen. So eingestellt hält das Futter einige Tage (Wasser nachfüllen nicht vergessen). Beim Futterwechsel die Raupe möglichst nicht anfassen, es kann sein, dass sie kurz vor einer Häutung steht und dann möchte sie nicht gestört werden. Einfach das Stück Futterpflanze auf dem sie sitzt über das frische Futter legen.

Jungraupe kurz nach der Häutung:
Die abgestreifte Kopfkapsel liegt unten, der Rest der Haut hinter der Raupe.
Nach einer Weile wird sie sich umdrehen und als erstes die alte Haut verspeisen
(modern: Recycling!)
4. Verpuppung
Wenn die Raupe ausgewachsen ist (ca. 5 cm), wird sie sich bald einmal an die Verpuppung machen. Vorher wird sie ihren Darm von überflüssigen Stoffen entleeren. Da dies eine kleine Pfütze hinterlässt, empfiehlt es sich eine Lage Haushaltpapier auf den Raupenkastenboden zu legen (ich lege von Anfang an Haushaltpapier in die Kästen, das erleichtert generell das ausmisten). Danach wird sie ruhelos 1-2 Tage im Kasten umherwandern auf der Suche nach dem perfekten Verpuppungsplatz. In der Natur kann sie sich in dieser Zeit weit vom Futterplatz entfernen. Hat sie den Platz gefunden, spinnt sie erst ein Seidenpolster für das hinterste paar Füsse ("Nachschieber") und anschliessend einen Seidengürtel um sich herum. Danach verharrt sie angeseilt nochmals 1-2 Tage, bevor sie sich zur Puppe häutet (wie so eine Verpuppung vonstatten geht, habe ich auf der Seite "VerpuppungsSequenz" dokumentiert). Diese Gürtelpuppe kann grün, grau oder alle Zwischenschattierungen sein. Kurz nach der Verpuppung sind alle Puppen grünlich.
5. Puppenruhe / Überwinterung
Puppen der 2. Generation
überwintern im Raupenkasten. Dazu ist es - wie schon oben erwähnt - absolut unerlässlich, dass der Kasten den ganzen
Winter über im Freien steht. Verspürt
die Puppe nämlich keinen Frost, nimmt sie an der Frühling ist da und der Falter
schlüpft im Dezember! - Eigentlich logisch, dass eine
einheimische Art den hiesigen Winter verträgt, nicht?
Was man noch tun kann, um perfekt zu sein, ist die Puppe 1-2 x pro Monat mit
etwas Wasser absprühen, damit sie ganz sicher nicht
austrocknet. Dies natürlich nicht bei Minustemperaturen, sie soll ja nicht
eingeeist werden! Im Frühling vor dem Schlupftermin darf es dann auch 2x pro
Woche sein. Ich habe dazu in der Fachliteratur gelesen (und später auch durch
einen Augenzeugen bestätigt bekommen), dass
Schwalbenschwanz-Puppen in der Natur mehrere Tage unter Wasser überleben können
(bei Überschwemmungen z.Bsp.), also keine Sorge wegen dem Nassmachen!
Die 1. Generation sollte man je nach Hitze sogar alle 2 Tage mit
Wasser besprühen.
6. Schlupf
Bei der 2. Generation muss der
Kasten ab Mitte April (je wärmer der Frühling desto früher...) dann täglich kontrolliert werden, ob der
Schwalbenschwanz geschlüpft ist. Allgemein lässt man ihn am besten an einem sonnigen Tag
fliegen. Frisch geschlüpft lässt sich der Falter sehr schön auf der Hand
halten und fotografieren. Allerdings sollte man darauf achten, dass seine
Flügel wirklich vollkommen erhärtet sind, bevor man ihn aus dem Kasten
nimmt.
Nachdem er zwei Minuten Sonnenlicht getankt hat,
putzt er sich einmal schnell die Fühler, dann hebt er ab und sein Leben als
Schwalbenschwanz-Schmetterling beginnt...
...und für Sie endet ein spannendes Kapitel erlebter Biologie!

"Guten Flug!"
PS: Für Falter, welche in einer Regenperiode schlüpfen und somit nicht
wegfliegen können, bieten sich für die 2. Generation kleine Töpfe mit violett-blau blühender Gänsekresse
(Arabis) oder Blaukissen (Aubrieta) an. Auch Hängeverbene hat
sich bewährt. Diese in den Kasten zu den Faltern
stellen oder die Falter gar auf die Blüten setzen. Diese kleinen (und im
Frühling besonders
wichtig: frühblühenden) Blüten haben anscheinend die richtige Form für den
Schwalbenschwanz-Rüssel. In meiner Erfahrung bewirkt dies meist ein erstes
Ausfahren des Saugrüssels und mit etwas Glück beginnt der Schmetterling Nektar
aufzunehmen. Mir scheint auch die Farbe blau-violett mögen Schwalbenschwänze
besonders, aber da kann ich mich auch täuschen. Falls man die Falter über
mehrere Tage im Kasten zurückbehalten muss, wäre vielleicht eine Fütterung
mit Zuckerwasser nicht schlecht, wie das geht, habe ich im 2. Teil meiner Seite
" Schwalbenschwanz
im Dezember geschlüpft " festgehalten.
Für die Sommergeneration (1. Generation) kann man auch einen Zweig Sommerflieder
in den Kasten stellen.
Was ich im letzten Herbst noch festgestellt habe: nachdem ich im
Internet gelesen hatte, dass Falter Geruchsorgane in den Füssen
besitzen, habe ich einen frisch geschlüpften Admiral in eine ausgelöffelte Hälfte
Kiwi, wo noch etwas Saft drin war gesetzt. Eine halbe Sekunde später hatte
er schon zu trinken begonnen... Das habe ich aber mit Schwalbenschwänzen noch
nicht ausprobiert (Betonung auf "noch" nicht ;))).
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