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Windenschwärmer
(Agrius convolvuli)

Dank dem extrem heissen Sommer 2003 und der Aufmerksamkeit meiner Arbeitskollegin Franziska - merci! - bekam ich heuer die Gelegenheit Windenschwärmer-Raupen aufzuziehen. Aus einem Maisfeld bei Franziska's Wohnort strömten während einer Woche im Juli täglich hunderte dieser riesigen Raupen, denen wohl das Futter ausgegangen war auf die angrenzende Strasse und wurden leider auch zu hunderten überfahren :(((. Ich konnte ca. 50 Raupen einsammeln (andere Züchter noch mehr) und nach Hause nehmen. Der Grossteil der Raupen war ausgewachsen und suchte nur noch nach einem geeigneten, d.h. weichen, Stück Erde um sich darin einzugraben. Die Erde in besagtem Maisfeld war durch die Trockenheit betonhart... Das führte dazu, dass sich die meisten Raupen bei mir sofort in die angebotene Erde verzogen und ich gar keine grosse Gelegenheit mehr hatte, sie abzulichten! Wieder ausbuddeln wollte ich sie auch nicht ;). Hier sind jedenfalls die paar Bilder, die mir noch geglückt sind:
Diese Raupe (Originalgrösse ca. 5 cm) trägt noch ihr Jugendkleid, prominent bereits der typische Schwärmerstachel hinten (mit dem sie übrigens nicht stechen kann). Die ausgewachsenen Raupen sind farblich sehr variabel, die Palette reicht von gelb über grün bis braun bzw. fast schwarz. Ich hatte fast alle Variationen, leider wie gesagt, konnte ich sie nicht alle fotografieren.

Dieses unscharfe Bild ist das einzige einer braunen Raupe, das ich habe.
Man bekommt dafür die Bewegung der Raupe mit ;)


Die Raupen ernähren sich - wie der Name schon verrät - von Windenarten wie der Ackerwinde. Sie verfügen über einen gesegneten Appetit, ich musste ganze Zäune abwickeln ;). Beginnt die Raupe schliesslich rastlos umherzuwandern, sucht sie nach Erde um sich darin für die Verpuppung einzugraben. Anscheinend sind die Windenschwärmer dabei sehr empfindlich auf Störungen, was für die Zucht bedeutet, dass jede Raupe ihren separaten Topf mit Erde braucht. Setzt man sie auf so einen Topf, kann man ihnen beim einbuddeln zusehen, innert einer Minute sind sie weg:


Und tschüss!
Unter der Erde bauen sich die Raupen eine kleine Erdhöhle, welche sie mit einer Flüssigkeit tapezieren und so stabil machen. Sie können diese Flüssigkeit jedoch nur einmal abgeben und wenn sie in dieser Zeit gestört werden (von einer anderen Raupe z.Bsp.), verpuppen sie sich nicht mehr oder gehen sonstwie ein... Deshalb ist die Einzelhaltung unbedingt nötig. Die Puppen selber verfügen über eine extrem lange Rüsselscheide, auch bei ihnen ist äusserste Vorsicht beim anfassen geboten:


Der Durchmesser des Topfes beträgt ca. 10 cm, die Puppen sind also stattliche
Dinger!
Nach drei Wochen Puppenruhe sind dann diese riesigen Schwärmer geschlüpft:

Mit ihren kleinen Krallen an den Füssen können sie sich ganz schön festhalten


Einige waren dunkelgrau gemustert (linkes Bild), andere
mehr einheitlich grau (Falter rechts).
Vergleiche dazu auch das oberste mit dem untersten Bild
auf dieser Seite.
Tagsüber in Ruhestellung sind beide Falter sehr
gut getarnt.


Auf diesen Bildern erkennt man die riesigen schwarzen Augen,
ideal für Dämmerungs- und Nachtflüge,
den eingerollten Rüssel sieht man links auch
Werner Klaiber ("Thanks!") aus Deutschland hat mir diese drei Infrarot-Bilder von Windenschwärmern, die im August bei Dämmerung regelmässig die Nachtkerzenblüten in seinem Garten besucht haben geschickt:


Man sieht erstens den unendlich langen
Rüssel, den die Falter im Schwirrflug ohne
je einmal abzusitzen präzise in die Blütenkelche einführen und andererseits
die typische Körpermarkierung (siehe auch 1. Bild
zuoberst). Mit der Zeit ist der Rüssel schwer mit Pollen beladen (vom Falter
unbeabsichtigt) und der Falter muss sich zuerst richtiggehend in der Luft
schütteln, bevor er ihn wieder einrollen kann!
Der Windenschwärmer
ist ein Wanderfalter und kommt bei uns nur in
extrem heissen Jahren so häufig vor. Zuhause ist er eigentlich mehr im Süden,
wandert aber jedes Jahr über die Alpen nordwärts und legt seine Eier bei uns
ab. Die Nachkommen wandern zurück oder versuchen vielleicht auch, noch eine
Generation hier durchzubringen, so genau weiss ich das nicht. Auf jeden Fall
kann die Art unseren Winter nicht
überstehen (ausser vielleicht bei einem äusserst milden Winter).
So ein Massenauftreten wie das am Anfang beschriebene ist auf jeden Fall eine
Seltenheit, es war ein sehr schönes Privileg, diesen tollen Falter (und erst
noch in dieser Anzahl!) aufziehen zu können :))).

Na ja, im grünen vielleicht nicht ganz so gut getarnt ;)))