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Kleines Nachtpfauenauge
(Saturnia pavonia)


Beide Bilder: April 2001
Links ein Männchen auf meiner Hand, rechts ein frisch
geschlüpftes Weibchen.
Die Männchen haben orange Hinterflügel und sind etwas kleiner als die
Weibchen. Beide Geschlechter besitzen die schönen (und namensgebenden)
Augenzeichnungen auf jedem der vier Flügel.
Kleine Nachtpfauenaugen werden (obwohl bei uns heimisch) selten gesehen. Der Grund dafür liegt wohl in ihrer etwas seltsamen Lebensweise:
Die Weibchen sind
nachtaktiv und verbringen den Tag unbeweglich an
einem bodennahen Zweig sitzend. Ganz untätig sind sie dabei allerdings nicht,
sie verströmen über eine Drüse am Hinterleib Duftstoffe
(Pheromone), welche die tagaktiven
Männchen anlocken sollen. Die Männchen verbringen
den Tag damit umherzufliegen, und nach Spuren dieses Pheromones in der Luft
suchen. Ihr Flug
ist schnell und abrupt und der Falter ist wahrscheinlich schon wieder weg, bevor
man ihn richtig bemerkt hat. Die breit gefächerten Fühler
der Männchen (in den unteren Bildern besser erkennbar) nehmen eine Duftspur
auch noch im Umkreis von 1 km eines lockenden Weibchens auf!
Die Falter nehmen während ihres maximal 2-wöchigen Lebens keine
Nahrung zu sich (sie haben auch gar keine
Mundwerkzeuge).
Dankdem es mir im April 2002 gelungen ist, mit einem
"meiner" Weibchen ein wildes Männchen anzulocken, bin ich zu Eiern
und schliesslich zu Nachwuchs gekommen. Die Paarung der beiden Falter dauerte
ca. 2 Stunden, dann wollte das Männchen mit Nachdruck wieder aus dem Kasten mit
dem Weibchen, welches ruhig sitzen blieb. Das Weibchen hat in den folgenden zwei
Nächten ca. 50 Eier an Brombeerzweige,
die ich zu diesem Zweck in den Kasten gestellte hatte abgelegt. Leider ist es in
der nächsten Nacht gestorben, aber das ist anscheinend bei Kleinen
Nachtpfauenaugen die Regel! Nach ca. 10 Tagen sind aus den meisten Eiern kleine
schwarze Räupchen geschlüpft. Nachdem sie einige
Stunden auf den Futterpflanzen umhergewandert waren, fanden sie sich in wenigen grossen
Gruppen zusammen und erst dann begannen sie zu
fressen (und mir fiel ein Stein vom Herzen;)). Schön wie's im Buche steht,
frassen sie gemeinsam ein Blatt von aussen nach innen ab und liessen dabei die
Blattadern stehen.
Die nachfolgenden zwei Bilder stammen aus der Zeit nach der 1. und 2. Häutung:


Auf dem rechten Bild ist eine Raupe kurz nach der 2. Häutung zu sehen, nach der
Häutung wirken die Raupen immer viel pelziger als kurz vorher.



Kasten vor dem ausmisten: Jeden Tag einen Arm voll Schwarzdorn- und
Salweidenzweige füttern!
Ich hatte 2003 plötzlich so viele Raupen, dass ich gezwungen war
ca. 3/4 davon auszusetzen.
Ich hoffe, möglichst viele davon haben in der Natur überlebt (einige davon
wurden ironischerweise
von einem Bekannten von mir wieder eingesammelt!).
Raupen nach der 2. Häutung.

Raupe vor der 3. Häutung


Raupen nach der 3. Häutung

Linke Raupe vor der letzten Häutung, rechte Raupe danach
mit den typischen orange-gelben Wärzchen



Erwachsene Raupen, inklusive eingerollte Schreckstellung

Einige Raupen haben deutlich orange Warzen, andere knallgelbe. Ebenso variiert
der Schwarz- bzw. Grünanteil z.T. erheblich
Die Raupen begannen sich ab dem 1. Juni
2002 ihre Kokons zu weben. Die Kokons sind birnenförmig
und weisen am oberen Ende eine Ausgangsreuse auf. Durch
diese Reuse wird nächsten Frühling der geschlüpfte Falter in die Freiheit
kriechen. Im Inneren dieser kunstvoll angelegten Kokons befindet sich die
eigentliche Puppe. Die äussere Kokon-Hülle ist
erstaunlich hart und bietet einen guten Schutz für die
Entwicklung zum Schmetterling, die immerhin 10 Monate oder
mehr dauert! Aufgrund der unterschiedlichen Kokongrössen kann man bereits
erkennen, aus welchen später Männchen und aus welchen Weibchen schlüpfen
werden (was bei den meisten Schmetterlingsarten nicht möglich ist).
Die frisch gewebten Kokons sind weiss, später dunkeln sie nach und werden braun:
Eben erst fertig gewebte Kokons,
die Schlupfreusen zeigen nach oben
Bereits braun gefärbter Kokon, die Schlupfreuse befindet sich links
Somit wären wir wieder am Anfang, bzw. ich warte auf den nächsten Frühling und die gut 40 Kleinen Nachtpfauenaugen, die hoffentlich aus ihren Kokons krabbeln werden! Die Männchen lasse ich von dannen ziehen, mit den Weibchen werde ich versuchen ein Männchen der wilden Population anzulocken, eine Paarung und schliesslich Eiablage zu erzielen. Dann schlüpfen die Räupchen und - ein endloser Kreislauf also! ;)))

Man sieht hier schon jetzt die
Grössenunterschiede:
aus den grossen Kokons werden Weibchen schlüpfen, aus den kleinen
dageben Männchen
Hier geht's zu den Eckdaten 2002 und 2003: Statistik Kleines Nachtpfauenauge
Nachtrag
März 2003:
Es ist mir gelungen, den Schlupf eines Kleinen Nachtpfauenaugen-Weibchens mit
der Kamera zu verfolgen:


Als erstes ist der weisse Pelzsaum über dem Kopf erkennbar. Der
Falter schiebt sich langsam aber stetig vorwärts aus der Puppe (die Kokons
hatte ich oben aufgeschnitten, um den Schlüpfvorgang zu vereinfachen). Der
Falter sieht anfangs ziemlich grotesk aus mit seinem überdimensional grossen
Körper, der zudem noch weich ist und zwischen den Körperringen giftiggrüne
Segmente aufweist (auf dem Foto leider schon nicht mehr zu sehen):

Der Paarungsanflug im Garten hat wunderbar geklappt:

Paarung
Hier noch vier Bilder von Faltern von meinem Balkon
(welches Männchen und welches Weibchen sind, sollte jetzt klar sein, nicht?;))


Linkes Bild: April 2002, rechtes Bild: April 2001


Linkes Bild: April 2001, rechtes Bild: April 2002
Werner Klaiber aus
Heilbronn hat mir netterweise noch ein Bild eines Weibchen zur Verfügung
gestellt,
wo man alle vier Augenzeichnungen sehr schön sieht:
*** Merci! ***