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Abendpfauenauge
(Smerinthus ocellata)

Das Abendpfauenauge ist ein weiterer interessanter Vertreter der Familie der Schwärmer. Somit ist es dämmerungs- und nachtaktiv und verbringt den Tag gut getarnt in Ruhestellung. Die Besonderheit dieser Art sieht man auf obigem Bild: Sie ziehen bei Erschrecken die Vorderflügel ruckartig nach vorne und enthüllen diese beiden starrenden Augen auf den Hinterflügeln. Für einen Vogel, der so einen Falter vielleicht aus Neugier anpickt ein ganz schöner Schock nehme ich an! Speziell beim Falter ist auch die gekrümmte Körperhaltung in Ruhestellung:


Ich bin zuerst schon etwas erschrocken, weil ich dachte, dem Falter fehlt etwas!
Hier sieht man auch die in Ruhestellung angelegten Fühler
Die Raupen des Abendpfauenauges weisen am Hinterende das typische Schwärmerhorn auf. Sie sind gräulich-grün gefärbt und ihre Haut weist eine körnige Struktur auf (wie die Raupe vom Pappelschwärmer auch). Sie ernähren sich von Weiden- und Pappelarten, bei mir bevorzugten sie Salweide. Eine Schwierigkeit bei der Aufzucht dieser Art ist die Tatsache, dass sich Weiden bei heissem Sommerwetter fast nicht in Wasser einstellen lassen, sie verdorren jeweils innerhalb weniger Stunden... Man muss also ständig für Nachschub sorgen.


Links die normale Färbung einer jungen Raupe, rechts eine ganz grüne - die
(wunderschöne!) Ausnahme
Die Raupen
sind durch ihre Farbe und die schrägen hellen Streifen hervorragend
im grau-grünen Weidenlaub getarnt, hier sind sie ausgewachsen:





Diese "Sphinx"-Haltung der ruhenden Raupen ist ebenfalls typisch für
einige Schwärmerarten,
man sieht auf diesen Bildern auch gut die roten Atemöffnungen
("Stigmen") der Seite entlang
Die ausgewachsenen Raupen verpuppen
sich unter der Erde und überdauern so den Winter. Das Abendpfauenauge
kommt bei uns normalerweise in einer Generation pro Jahr vor.
Bei sehr heissen Sommern, wie wir es 2003 hatten, schlüpft aber schon mal ein
Teil der Puppen noch im selben Sommer und es kann eine 2. Generation geben.
Zum Abschluss noch zwei Falterbilder:


Links der (wie alle Schwärmer) sehr gut getarnte Falter
in Ruhestellung, rechts habe ich ihn ein bisschen geärgert und er zeigt
mir ansatzweise seine Droh-Augen, zudem hat er seine Fühler nach vorne geklappt
- auch ein Zeichen dafür, dass er nun hellwach ist. Er verlässt sich darauf,
dass seine Augen so lange für Verwirrung sorgen bis er sich in Sicherheit
gebracht hat - nicht schlecht, die Idee!
Zu den verschiedenen "Pfauenaugen"
Vielleicht ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass es mehrere völlig verschiedene Falter gibt, die den Namensteil "Pfauenauge" tragen:
- Grosses (oder Wiener) Nachtpfauenauge (Link)
- Kleines Nachtpfauenauge (Link)
- Abendpfauenauge
- Tagpfauenauge (Link)
Ausser der Tatsache, dass
alle diese Arten eine Art Augenzeichnung auf den Flügeln tragen sind sie -
abgesehen von den beiden Nachtpfauenaugen - überhaupt nicht miteinander
verwandt, im Gegenteil: die vorwiegend nachtaktiven Nachtpfauenaugen gehören in
die Familie der Pfauenspinner (Saturniden), das dämmerungs- und nachtaktive
Abendpfauenauge gehört zu den Schwärmern (Sphingiden) und das tagaktive
Tagpfauenauge zu den Edelfaltern (Nymphaliden). Diese Familien weisen völlig
unterschiedliche Charakteristika auf.
Die Personen, die für die Namensgebung verantwortlich waren haben meiner
Meinung nach einfach etwas wenig Phantasie gezeigt ;)))...